Sofia 2023

24.-26. Februar | Bulgarien


Nach einer über dreijährigen Pause freuen wir uns, das Programm der ersten umfassenden Debate on Europe seit der letzten Ausgabe in Belfast ankündigen zu können. Diesen Februar werden wir einen der Hotspots des krisengeschüttelten Europas besuchen.

Für alle, die verstehen möchten, welchen Herausforderungen die europäischen Gesellschaften heute gegenüberstehen, ist die bulgarische Hauptstadt Sofia derzeit einer der interessantesten Orte. Denn hier werden viele der aktuellen Konflikte besonders deutlich sichtbar.

Mehr als fünfzehn Jahre nach dem Beitritt Bulgariens zur Europäischen Union ist der russische Einfluss nach wie vor groß und das Land tief gespalten in seiner Haltung zum Krieg in der Ukraine und deren Folgen – etwa hinsichtlich Energiepolitik und Wirtschaftssanktionen. Darüber hinaus ist Bulgarien mit einer Bevölkerung von mittlerweile weniger als sieben Millionen Menschen ein Beispiel für die tiefe demografische Krise, die viele europäische Länder prägt. Zugleich ist Bulgarien ein Schlüsselland, das von der geographischen Peripherie der EU aus eine zentrale Rolle bei der Erneuerung des europäischen politischen Projekts spielen könnte.

All dies und vieles mehr steht auf dem Programm der Sofia Debate on Europe.

Die Veranstaltungen finden auf Englisch und Bulgarisch mit Simultanübersetzung statt. Eintritt ist frei.

Programm

  • Freitag, 24. Februar

    • Während Russland in der Ukraine einen militärisch hochaufgerüsteten Angriffskrieg führt, wird andernorts in Europa mit weniger sichtbaren Waffen um Einfluss gekämpft. So ist etwa Bulgarien seit langem Ziel von Desinformations- und Propagandakampagnen des Kremls und es ist in der Folge dieser Einflussnahmen keineswegs sicher, dass die Sympathien der Bevölkerung bei Brüssel – und Kyiv – liegen und nicht eher bei Moskau. Gleichzeitig haben auf dem Balkan wiederholt aufgeschobene, noch immer unverbindliche Beitrittsperspektiven der EU zunehmend Enttäuschungen hinterlassen und auch empfänglich gemacht nicht nur für den Einfluss Russlands, sondern ebenso seitens der Türkei und Chinas. Wie wird dieser Kampf um Einfluss geführt? Mit welchen Mitteln?

  • Samstag, 25. Februar

    • Mit einer rapide schrumpfenden Bevölkerung steht Bulgarien exemplarisch für das Gefühl existenzieller Bedrohung, das viele Länder Mittel- und Südosteuropas kennzeichnet. Auswanderung ist hier ein viel akuteres Problem als Einwanderung. Doch welche Strukturen verbergen sich hinter den Zahlen? Wie verändert die Migration sowohl die Herkunfts- als auch die Aufnahmeländer? Und ist der Import beispielsweise von gut ausgebildeten Ärzten und qualifizierten Pflegekräften wirklich eine Lösung für die alternden Gesellschaften im Westen?

       

    • Der Politikwissenschaftler Ivan Krastev war einer der ersten, der die Demografie als treibende Kraft in der zeitgenössischen europäischen Politik identifizierte – von der Renationalisierung bis zu fehlendem Zuspruch für demokratische Reformen. In Alek Popovs Roman Mission: Turan wird diese Angst vor demografischen Entwicklungen  mit einer ironischen Wendung versehen: Eine Expedition bricht nach Zentralasien auf, um vermeintliche Ur-Bulgaren zu finden, diese für die Heimat zu rekrutieren und so die abnehmenden Bevölkerungszahlen auszugleichen. Absurd? Vielleicht. Aber wo genau verläuft die Grenze zwischen literarischer Satire und politischer Realität? Zwei der klügsten Köpfe und geistreichsten Intellektuellen Bulgariens erörtern ein Thema, das im Mittelpunkt der Lebensgeschichten vieler Europäer steht.

       

  • Sonntag, 26. Februar

    • Gerade als die EU an Schwung zu verlieren schien, zwang Russlands Krieg gegen die Ukraine die Mitgliedsstaaten, sich auf die Idee Europas als wertebasierte wirtschaftliche und politische Gemeinschaft zu besinnen. Es bleibt abzuwarten, wie lange dies anhalten wird, aber es hat sich gezeigt, dass die EU ein Objekt der Sehnsucht und der Identifikation sein kann – zumindest für Außenstehende. Kürzlich wurde der Ukraine und Moldau der Status der EU-Beitrittskandidaten zuerkannt. Andere, nicht zuletzt auf dem westlichen Balkan, hoffen auf konkrete Schritte ihrer Integration in die EU. Steht die EU noch für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft? Kann – oder muss – das politische Projekt Europa von der Peripherie aus erneuert werden? Welche Rolle kann und sollte Bulgarien bei einer solchen Erneuerung spielen, sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU?

       

    • Abschlussreden von Kateryna Mishchenko und Georgi Gospodinov

       

Mitwirkende

Partner


Gefördert durch das Auswärtige Amt

Medienpartner

Team

Carl Henrik Fredriksson
Programmleiter

Dessy Gavrilova
Programmberaterin

Barbara Anderlič Projektleiterin

Lora Fileva
PR